Gebärdensprachen sind keineswegs reine Zeichensprachen, die durch einfache Gesten vermittelt werden. Es sind von der Linguistik komplett anerkannte Sprachen, die auch ihre individuelle Grammatik und begriffliche Konzepte, wie beispielsweise Personalpronomen besitzen. Auf der ganzen Welt existieren um die 200 unterschiedlichen Gebärdensprachen. Kurios ist, dass ein amerikanischer und ein französischer Gebärdensprachler sich ganz gut verstehen können, während der Amerikaner und ein Brite fast total aneinander vorbeisprechen. Die „ASL“ (American Sign Language) beruht auf der Basis der „LSF“ (Langue des Signes Francaise). Deshalb gibt es zwischen verschiedenen Gebärdensprachen Dolmetscher, genauso wie zwischen Lautsprache und Gebärdensprache.

Gebärdensprachen sind in Deutschland und Österreich unterschiedlich

Neben der DGS – Deutschen Gebärdensprache, gibt es im deutschsprachigen Gebiet auch noch eine Version für die Schweiz und für Österreich. Bei den visuell-gestischen Sprachen haben sich Lautsprachen entwickelt und deshalb sind diese auch national unterschiedlich. Altersspezifische Differenzen und auch lokale Dialekte tragen dazu bei, dass z.B. ein freundliches „Guten Morgen“ in Tirol oder Kärnten anderes gebärdet wird, als im Burgenland oder in Wien. Auch kommunizieren junge Menschen und Kinder ganz anderes als ihre Großeltern. Die ÖGS (österreichische Gebärdensprache) ist inzwischen in der Bundesverfassung verankert. Die Realisation tatsächlicher und einklagbarer Sprachrechte wird momentan vom Österreichischen Gehörlosenbund (ÖGLB) versucht durchgesetzt zu werden.

Auf dem Weg zur barrierefreien Kommunikation

Sehr wenige Länder in der Welt geben den Gebärdensprachen dieselben Rechte wie den gesprochenen Sprachen. Auch sind die Anstrengungen weltweit eine einheitliche Gebärdensprache zu erreichen, genauso erfolglos wie die einst versuchte künstliche Sprache Esperanto. Es gibt jedoch einen Ansatz, der teilweise sogar auf internationalen Konferenzen benutzt wird. Das ist die International Sign Language, auch Gestuno genannt. Soll z.B. eine Gebärdensprache wie die ÖGS korrekt eingesetzt werden, muss sie mit Deutsch als Unterrichtssprache gleichgesetzt werden. In Österreich gibt es von diesem Modell bisher allerdings nur Ausnahmefälle. Eine barrierefreie Kommunikation und absolute Teilnahme an der Gesellschaft benötigt wohl einen noch intensiveren Einsatz aller Interessierten und Beteiligten.